Kapitel 1: Auf der Flucht


„Wo müssen wir denn jetzt lang?“

„Ich weiß es nicht genau. Obwohl. Wenn wir nach Vesh wollen, müssen wir in Richtung Süden.“

„Süden?“, überlegte die schlanke, fast zierliche Frau mit den langen schwarzen Haaren etwas lauter. „Dann müssen wir hier entlang.“

Der große und auf den ersten Blick düster aussehende Mann an ihrer Seite nickte und sah in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Ein dichter Nebelschleier war dort zu sehen.

„Wir sollten aufbrechen“, meinte er und sah ihr dabei in die roten Augen.

Ein sanftes Lächeln umspielte ihren vollen Mund und trotz der Schärfe in ihren Augen, sah sie durch dieses freundlich aus.

„Du hast Recht. Lass uns …“, stimmte sie ihm zu, als auch schon ein Schrei sie unterbrach. Beide drehten sie sich auf der Stelle um und sahen in den Nebel.

„Verdammt. Ich bin es müde“, sagte Luna, als sie ihr Schwert zog. „Wieso können sie mich nicht in Ruhe lassen?! Ich möchte endlich die Ruhe haben, die ich mir schon seit hunderten von Jahren wünsche.“

„Ich kann es dir nicht sagen“, erwiderte er nur und zog ebenfalls sein Schwert. „Aber pass bitte auf dich auf. In einigen Jahren wird man dich noch brauchen. Nun, wo du endlich deine Erinnerungen wieder hast, darfst du nicht schon so früh sterben oder gefangen genommen werden. Denn wer weiß, ob du jemals wieder frei kommst.“

Luna nickte und sah dann noch genauer in den Nebel. Ihre Augen verloren nicht an Schärfe, auch wenn sie in den Nebel sah: „Sie sind da.“

„Na dann wollen wir mal.“

Beide umfassten die Griffe ihrer Schwerter fester und ihre Augen wandten sich nicht ab.

Es vergingen vielleicht gerade mal fünf Minuten, als auch schon zwei Gestalten aus dem Nebel traten. Es waren weder Menschen, noch Elfen oder Vampire.

„Diese verdammten Guhle“, zischte Luna nur und wartete auf deren Angriff.

„Luna. Wie viele kommen noch, weißt du es?“, fragte ihr Gefährte und ließ die ersten beiden nicht aus den Augen.

„Soweit ich das feststellen kann, kommen noch so um die Zehn. Also nicht wirklich eine Herausforderung“, erklärte sie mit einem freudigen Lächeln.

Er sah sie an und fing an zu lachen: „So wie du gerade schaust, sehe ich dir an, dass du deine Wut an ihnen auslassen möchtest. Liege ich da Richtig?“

Auch sie fing an zu lachen, doch hörte sie auch schon bald wieder auf.

„Wie gut du mich doch kennst Zen. Ja, ich möchte mich für die Hetzjagd bedanken, die sie auf mich veranstaltet haben. Also kannst du dich erst mal zurück lehnen.“

Zen nickte und ging zum Wegesrand, wo er sich an einen Baum lehnte, das Schwert in den Boden rammte, die Arme vor der Brust verschränkte und mit einem Lächeln zu ihr sah. „Ich wünsche dir viel Spaß.“

Nach diesen Worten traten auch schon die restlichen zehn Guhle aus dem Nebel, wo sie alle warteten.

„Nun kommt schon“, flüsterte Luna und sah sie finster an.

Einer der Feinde sah sie direkt an und grinste. Mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll lief er auf sie zu. Die anderen Elf folgten ihm. Kurz bevor sie sie erreichten, teilten sie sich auf und umzingelten sie. Gleich im Anschluss griff auch schon der erste an. Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit wich sie dem Angriff aus. Die anderen griffen nun auch an. Luna jedoch wich jedem Schlag mit einer Leichtigkeit aus. Es sah so, aus als würde sie mit ihnen tanzen. Doch durch eine kleine Unachtsamkeit ihrerseits, wurde sie am rechten Oberarm getroffen. Sie stürzte zu Boden und hielt sich die Wunde. Zen war gerade im Begriff sein Schwert zu ergreifen, als ihm etwas einfiel, was Luna gesagt hatte und er ihren Gesichtsausdruck sah. Mit einem allwissenden Grinsen im Gesicht, entspannte er sich wieder und sah weiter zu, denn Lunas Gesicht war Wut verzehrt.

„Das hättet ihr lieber nicht machen sollen“, brachte sie mit viel Kontrolle hervor. Das Schwert, was sie zuvor losgelassen hatte, als sie sich an den verletzten Arm packte, nahm sie wieder hoch. Sie stand auf, sah die Guhle an und lief auf sie zu. Mit gezielten Hieben schlug sie ihnen als erstes die Arme ab, kurz bevor sie ihnen dann in das Herz stach. Mit ihrem schlanken und beweglichen Körper, wich sie wieder einigen Angriffen aus, bevor sie auch diesen Einhalt gebot.

Nach nur wenigen Minuten stand sie in der Mitte eines Berges von endgültig toten Guhlen. Sie ging vom Berg weg, auf Zen zu. Dieser stieß sich vom Baum ab, nahm sie erst mal in die Arme und küsste sie kurz auf ihren Scheitel.

„Du bist wirklich unglaublich. Du hast in all den Jahren nichts verlernt und bist auch nicht aus der Übung gekommen.“, sagte er mit einer amüsierten Stimme und strich ihr übers Haar.

„Wie kann man so was auch nur verlernen oder aus der Übung kommen, wenn man auf der Flucht vor denen ist, sie einen immer wieder finden und zum Schluss doch kämpfen muss.“, flüsterte sie erschöpft und war froh über die vertrauten, Trost spendenden Arme. „Bitte, stapel sie noch weiter zusammen. So dass der Haufen nicht zu dicht an die Bäume kommt und verbrenne sie. Es soll alles beseitigt werden und dann lass uns nach Vesh aufbrechen. Ich will endlich Ruhe haben. Besser wir ändern dann auch unsere Namen, wenn wir in der Stadt sind und suchen uns dort ein schönes Plätzchen wo es ruhig ist und wo ein Häuschen Platz hat.“

Zen nickte und strich ihr noch mal übers Haar. Dann ließ er sie da stehen und kümmerte sich um die Leichen, so wie sie ihn darum gebeten hatte. Er stapelte sie auf und entfachte ein Feuer. Diesem sah er noch etwas zu, bevor er sich wieder zu Luna gesellte. Er nahm sein Schwert, steckte es wieder in seine Scheide, sattelte den Rucksack, den er zuvor, kurz vorm Kampf, abgesetzt hatte, wieder auf seinen Rücken und sah wartend zu Luna.

Diese saß in der Zeit, wo er das Feuer legte, im Gras und sah erschöpft zu Boden. Als sie dann die Bewegung von Zen neben ihr ausmachte, stand sie auf und verstaute auch ihr Schwert wieder. Sie ging neben ihm her und hielt dabei seine Hand.

Hoffentlich gibt es endlich einen Ort wo es dann auch etwas Ruhe gibt. Wenigstens für einige Jahre. Damit wäre ich ja schon zufrieden, dachte sie sich.

Sie machten sich nun endlich auf in eine Zukunft, voll mit Hoffnung auf Ruhe, weiteren versteckens, aber auch in eine Zukunft, die für sie unklar ist.
~Hundert Jahre später an einem anderen Ort~
„Verdammt. Diese kleinen Biester. Die machen nichts als Ärger.“, Ambas nahm sich seinen Bogen und versuchte noch das Reh zu erwischen, welches eben sein Blickfeld gekreuzt hatte. Dieses sah er bereits gebraten und als Festmahl auf seinem Küchentisch.

„Und da sagt man noch immer, Feen seien lieb und nett und fürsorglich. Pah! Von wegen. Im Herzen sind sie böse und hinterhältig.“ Er nahm sein Bogen wieder runter, nahm den Pfeil wieder raus und steckte ihn wieder zurück in den Köcher und machte sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs würde er sich noch einige Beeren pflücken.

Vielleicht habe ich ja so ein Glück und ein Wildschwein kreuzt meine Wege.

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