Kapitel 2: Ein eigenartiger Angriff


Er spannte den Bogen und fixierte den Hirsch.
Das wird ein Festschmaus. Aber hoffentlich kommt keine von den Feen wieder.

Es war tiefste Nacht und an einem Bach stand ein Hirsch. Dieser trank erst mal einige Schlucke. Etwas abseits vom Bach, auf einem Baum, saß Ambas und hoffte, endlich mal wieder leckeres Hirschfleisch essen zu können.

Wie gut, dass es Nacht ist.

„Noch ein Stück weiter nach links, dann kann ich schießen“, flüsterte er sich selbst zu.

Er kroch auf dem Ast etwas weiter nach links, so dass er den Hirsch im Blickwinkel hatte. Nach einem kurzen Augenzwinkern ließ er die Sehne los. Der Pfeil flog durch die Luft, direkt auf das Herz des Tieres zu. Dieses traf er und der Hirsch fiel zu Boden.

„Na endlich“, rief Ambas erfreut auf und sprang vom Baum.

Ambas der Dunkelelf war, wie seine Art nun mal war, sehr schlank. Seine Augen liefen etwas schräg hoch und waren zu Schlitzen geformt, woraus einem seine dunkelroten Augen ansahen und zu verschlucken schienen. Sein silbernes Haar fiel ihm bis zu den Ellenbogen. Auch wenn er eher schmächtig aussah, so täuschte es. Er war ziemlich stark und beherrschte einige Tricks der Magie. Doch ein Meister, wie einige seiner Brüder, war er nicht.

Er ging zum Hirsch hinüber und grinste erfreut. Ambas zog ein Messer und kniete sich neben seiner Beute. Um den Hirsch leichter zu transportieren, schnitt er ihn in handliche Stücke. Als er alles fertig hatte, packte er es weg und machte sich auf den Weg nach Hause. Sein Haus, eigentlich eher eine Hütte, lag weit abseits der Stadt Melda, im Wald Elba.

Auf seinem Weg kam er an einer kleinen Lichtung vorbei. Dort sah er eine Elfe, die von Wölfen an einen Baum gedrängt wurde. In ihrer Hand hielt sie einen Dolch. Sie wedelte voller Panik damit um sich und sah verängstigt drein. Die Wölfe drängten sie immer weiter nach hinten und umkreisten sie. Auf deren Gesichtern sah Ambas den puren Hunger.

Diese Wölfe müssen ja schon seit ewigen Zeiten nichts mehr zu essen bekommen haben. Sie hatten also die letzte Zeit genau so viel Erfolg wie ich. Aber warum greifen sie diese Elfe an?, fragte er sich. Aber als sie anfing zu schreien überlegte er nicht mehr lange, zog sein Kurzschwert aus der Scheide und lief auf die Versammlung zu.
Sie ging durch den Wald auf der Suche nach etwas, als die junge Elfe ein Jaulen wahrnahm, welches zu einem Knurren heran schwoll. Sie schaute sich immer wieder um. Konnte aber nicht sagen, woher es kam, als plötzlich zwei Wölfe hinter ihr standen. Kamaki sah sie an.

„Was habt ihr?“, fragte sie sie.

Das Knurren wurde wilder und hinter den beiden, tauchten weitere auf. Das Rudel war nun vollständig. Mit Angst im Gesicht stellte sie ganz langsam einen Fuß hinter den anderen. So versuchte Kamaki den Wölfen davon zu entkommen. Doch das Rudel folgte ihr. Sie gingen langsam weiter auf sie zu und sahen sie, aus ihren bernsteinfarbenen, braunen und hellgelben Augen an.

Was haben die bloß?, fragte sich die Elfe und als ein Wolf, mit braunen Augen, ziemlich nah war und bereits die Zähne fletschte, drehte sie sich um und lief los. Sie sah immer wieder nach hinten. Die Wölfe folgten. Sie trieben Kamaki auf eine kleine Lichtung. Völlig außer Atem hielt sie sich an einem Baumstamm fest. Als sie das bereits vertraute Knurren hinter sich hörte, zog sie ihren Dolch.

„Bleibt weg. Bleibt weg von mir!“, schrie Kamaki die Wölfe an. Sie wollte doch nur durch den Wald gehen und etwas suchen. Warum also griffen sie die Wölfe an. Mit ihrem Dolch würde sie nicht lange am Leben bleiben, dass wusste sie schon. Doch sie wusste nicht, wie sie sich aus dieser Lage befreien konnte. Langsames Fortschleichen funktionierte nicht. Sie schloss ihre Augen und schrie einmal kurz.

Wenn ich weiter schreie, hört mich eh keiner. Er wird sauer auf mich sein. Nur weil ich so schwach im Moment bin. Obwohl. Wenn er mich jetzt hier sehen würde, würde er sich eher schlapp lachen, gestand sie sich ein. Eine Lichtelfe, die nicht zaubern kann. So etwas …

Plötzlich hörte sie einen kurzen aber lauten Ausruf und wurde somit aus ihren Gedanken gezogen. Sie öffnete die Augen und sah einen Dunkelelfen auf sie zu laufen.

Na toll. Jetzt werde ich statt von den Wölfen, von einem Dunkelelfen getötet, dachte sie frustriert und sah sich den Mann an, der auf sie zu lief.
Ambas stieß einen kurzen, aber kräftigen Schrei aus und lief auf die Wölfe zu.

„Weg mit euch!“, schrie er sie an und schlug mit dem Schwert nach einem, der Kamaki angreifen wollte.

„Sie lasst ihr schön in Ruhe“, drohte er ihnen und wandte sich dann an Kamaki.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Ambas sie und drehte sich aber sofort wieder zu den Wölfen um.

Die Elfe sah ihn erstaunt an.

„Ähm… J…ja, alles in Ordnung.“, stotterte sie und sah ihn immer noch ungläubig an.

Als er das von ihr hörte, grinste er leicht.

„Dachtest du, ich greife dich an? Nur weil ich ein Dunkelelf bin?“, fragte er und schlug wieder nach einen angreifenden Wolf. „Wie kommt es eigentlich, dass du hier von Wölfen eingekreist bist und sie gerade nicht sehr freundlich aussehen?“

Die Elfe sah ihn weiter mit großen Augen an. Als Ambas sie dann ansprach, stockte ihr der Atem.

„Ähm, j…ja, das dachte ich wirklich. Ist das nicht sonst normal?“, fragte Kamaki etwas stotternd und sah dann, auf seine andere Frage hin, zu den Wölfen. „Ich habe keine Ahnung. Ich war nur auf der Suche nach etwas und dann hörte ich ein Knurren und da waren sie dann hinter mir. Ich frage mich auch, warum sie hinter mir her sind.“

Sie sah am Dunkelelfen vorbei und achtete dann aber wieder auf ihn. Die Wölfe wichen bei jedem dritten bis fünften Hieb weiter zurück, als sie einen größeren Abstand zwischen ihnen hatten, drehte sich Ambas zu ihr um und musterte sie erst mal. Als dann ein leichter Geruch zu ihm herüber wehte, grinste er.

„Ich glaube, jetzt weiß ich, warum sie hinter dir her sind.“, sagte er ruhig.

Er lehnte sich etwas weiter zu ihr und schnupperte die Luft um sie herum ab und rümpfte anschließend die Nase.

„Ja. Kein Zweifel. Du riechst eindeutig nach Blut. Und da unsere Freunde hier Hunger zu haben scheinen, ist es kein Wunder, warum sie hinter dir her sind.“, meinte er.

Ein leichtes Knurren hinter ihm ließ ihn schnell wieder herum fahren. Mit erhobenem Schwert schnitt er einem angreifenden Wolf in die Flanke. Ambas sah ihm in die Augen und seufzte schließlich auf. Er griff in seinen Beutel. Dort zog er ein Stück des Hirschfleisches heraus, welches er vorhin ja erst erlegt hatte. Dieses sah er sich erst mal einige Minuten lang an. Zum Schluss warf er alles zu den Wölfen.

„Hier. Nehmt es. Ihr braucht eher das Fleisch als ich.“, sagte er seufzend.

Als das Fleisch vor ihnen Lag, sahen sie erst noch für einen kurzen Augenblick den Dunkelelfen an, doch dann schnappten sie sich die Stücke und verschwanden. Als Kamaki und Ambas sicher waren, dass alle Wölfe nun verschwunden waren, entspannten sie sich.

„Danke. Du hast mir das Leben gerettet.“, sagte sie zu ihm und lächelte. „Wie kann ich dir danken?“

„Ach was. Das brauchst du nicht. Obwohl…“, sagte er mit einem kleinen finsteren Ton in der Stimme, der nicht wirklich so gemeint war. „Am besten besorgst du mir ganz viel Fleisch. Ich brauche unbedingt mal wieder Fleisch.“

Kamaki nickte nur und sah ihn an: „In Ordnung. Ähm. Aber wo bekomme ich das jetzt her?“

Als Ambas das hörte musste er anfangen zu lachen. „Das kann ich dir leider auch nicht sagen, da ich ja sonst kein Fleisch von dir fordern würde. Ach ja. Ich heiße Ambas“, fiel es ihm noch gerade ein und sah Kamaki an.

„Mein Name ist Kamaki Cross.“, erwiderte sie mit einem etwas schmächtigen Lächeln und hielt ihm die Hand hin. „Sehr erfreut.“

Ambas ergriff diese und schüttelte sie: „Ebenfalls. Auch wenn die Umstände nicht grad die Tollsten waren.“

Sie standen noch eine Weile schweigend herum. Die einzigen Geräusche, die zu hören waren, waren die Laute einer Eule und das Zirpen von Grillen. Ambas schaute in den Nachthimmel. Als er wieder zu Kamaki blickte, sah diese ein kleines wenig gefährlich aus.

Das kann doch nicht sein. Das passt nicht zusammen Ambas, dachte er sich und verdrängte diesen Eindruck sofort wieder aus seinem Gedächtnis.

„Möchtest du vielleicht erst mal auf ein Getränk mit zu mir kommen? Meine Hütte steht nicht weit von hier.“, fragte er sie.

Doch Kamaki schüttelte den Kopf.

„Vielen Dank. Aber eigentlich muss ich noch etwas finden. Doch so wie es aussieht, werde ich es jetzt eh nicht finden. Und wer weiß, vielleicht kommen diese Biester noch einmal zurück.“, fiel es ihr gerade wieder so ein. „Ein Glas Wasser hört sich doch verlockend an. Ich komme doch mit. Aber wirklich nur auf ein Glas. Dann muss ich wieder.“

Ambas nickte zum Verständnis. Er steckte sein Kurzschwert wieder zurück in die Scheide und ging dann los. Kamaki tat es ihm gleich. Sie steckte ihren Dolch wieder weg und folgte ihm.

Ilas wird sich echt schlapp lachen. Aber eine Standpauke darf ich mir trotzdem anhören. Ach egal. Wenn ich erst mal diesen verdammten Stein gefunden habe, wonach er schon so lange sucht, ist alles wieder in Ordnung, überlegte sie es sich.

„Ach. Ähm, Ambas?“, fragte Kamaki. „Sag mal, hast du hier schon mal irgendwo einen seltsam aussehenden Stein gesehen?“

Ambas drehte den Kopf zu ihr um und schüttelte diesen.

„Ich habe bis jetzt nur normale Steine gesehen. Von einem seltsamen Stein habe ich bis jetzt noch nie gehört gehabt.“, erklärte er und folgte Pfad durch den Wald weiter, bis eine kleine Hütte, über wachsen mit Moos und Efeu, in Sicht kam.

„Gleich sind wir bei meiner Hütte.“

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