Kapitel 3: Geheimnisvoller Stein


„Hier bitte.“

Kamaki sah den Dunkelelfen an und nahm sich das ihr angebotene Glas. „Danke schön.“

Ambas setzte sich zu ihr an den Tisch und nahm einen Schluck von seinem Wasser. Über den Glasrand hinweg musterte er sie. Sein Blick schweifte über ihr blondes Haar, weiter über ihr schmales, zierliches Gesicht. Als er an ihrem schmalen, aber dennoch passenden Hals ankam, wandte er den Blick ab. Die Elfe sah sich im Haus um während sie trank.

„Was ist das denn für ein Stein, nachdem du mich gefragt hast?“, fragte der Elf mit einem direktem Blick in ihre Augen.

Sie sah ihn an und fragte sich, ob sie ihm das erzählen konnte, was sie über diesen sagenumwobenen Stein wusste. Nach einiger Zeit kam sie zu dem Schluss, dass sie ihm ruhig alles davon erzählen konnte. Doch stellte sie sich nun die Frage, wie sie ihm das wiederum klar machen konnte.

„Nun also. Wie kann ich dir das erklären?“

Der Dunkelelf sah sie an. „Wie wäre es von Anfang an? Dann vergisst du keine Kleinigkeit, die eventuell von Bedeutung wäre und ich weiß dann auch schon die gesamte Geschichte“, lächelte er sie an. Kamaki blickte ihn fortwährend an.

„Nun ja. Dieser Stein, …, vor hunderten von Jahren versuchten zwei Völker sich gegenseitig zu vernichten. Zwar gab es zu der Zeit noch mehrere Stämme, doch hielten sich diese heraus, oder versuchten es zumindest. Die zwei Bekriegenden schenkten sich nichts. Um ihre Mächte zu vergrößern, rekrutierten und verwandelten sie jeden möglichen.“ Während die Elfe erzählte sah sie an eine Küchenwand. Ambas hörte ihr aufmerksam zu und nickte ab und zu ganz leicht. Hauptsächlich für sich selbst zum Verständnis, dass er es Verstanden hatte. „Warte mal. Zwei Völker? Von mehreren? Was waren das denn für welche?“, fragte der Dunkelelf interessiert nach.

„Nun ja, es gab damals wie auch heute noch, die Menschen, die Elfen, die Lichtelfen, die Dunkelelfen, die Drachen, die Zwerge und so weiter. Doch ein Volk, welches es heute nicht mehr gibt oder nicht mehr zu geben scheint, bekämpfte sich untereinander. Dies waren die Vampire.“

„Vampire? Es gab wirklich Vampire?“, unterbrach er sie kurz und sah sie völlig fassungslos an. „Sie gab es wirklich?“

„Ja Vampire. Blutsauger. Unsterbliche. Diese Geschöpfe der Schönheit und der innerlichen Wollust bekämpften sich. Sie gab es wirklich“, fügte die Elfe mit Nachdruck hinzu, als sie den nicht verschwinden wollenden, ungläubigen Blick von Ambas sah. „Doch die Vampire, auch wenn sie für dich jetzt nur zu einem Stamm zählen, so sind sie untereinander noch mal geteilt. Einmal die Gutmütigen und einmal die Finsteren, bösen. Während die ‚Guten‘ ihre Soldaten durch Freiwillige, Familienangehörige und Verbündeten bekam, erschufen sich die ‚Bösen‘ ihre Streitmächte durch Gefangenschaften, Morden und Zwang. Sie suchten sich unter all den Menschen Männer aus, die für sie in den Kampf ziehen sollten. Sie verwandelten sie, erschufen aus ihnen Guhle. Die Herrin all dieser Vampire wollte nicht nur über ihre Wesen herrschen, sie wollte über alle Lebewesen bestimmen. Doch in dieser Hinsicht hatte sie ein kleines Problem. Sie hatte jemanden, der ihr die Pläne vernichtete auf der Gegenseite. Die ‚Königin‘, so wurde sie von ihrem Volk genannt, war mächtig. Dies, so fand sie es, war aber nur durch ihre Freunde, Familienangehörigen und ihren Untertanen möglich.

Naja, auf jeden Fall schaffte es Kiv, das war der Name der Herrscherin, nicht die Königin zu besiegen. Beide waren sie gleich stark. Doch sie wollte unbedingt ihre Widersacherin vernichten. Also rief sie einige mächtige Dunkelelfen herbei, die sich ganz allein dem Bösen und der Dunkelheit verschrieben haben und die Meister der Schwarzen Magie waren. Sie befahl ihnen, einen Gegenstand zu erschaffen, der so mächtig war, dass jeder Vampir geschwächt ist, sobald er nur ihn berührte. Sie machten sich sofort an die Arbeit. Sie brauchten einen Monat dafür, die richtigen Zauber, Kräuter, Gebräue und Tinkturen herzustellen und zu verbinden. Sie fanden, dass ein einfacher Stein nicht wirklich auffallen würde, weshalb sich einer von ihnen auf den Weg machte um einen passenden zu finden. Als sie nun endlich alles hatten, fingen sie an, diesen Stein zu verändern, ihn in eine Waffe gegen Vampire zu verwandeln.“

„Sie hatte also nun einen Gegenstand, der jeden Vampir schwächte? Aber da lief sie doch auch Gefahr, selbst schwächer zu werden. Wie wollte sie also stärker bleiben als die Königin?“

„Da die Dunkelelfen unter ihr dienten, hatte sie einige, die den Stein anfassen konnten, ohne an Kraft zu verlieren. Aber ein kleiner Fehler war den Magiern unterlaufen. Der Stein brauchte die Vampire nicht berühren. Er brauchte nur schon in einem Umkreis von zehn Metern sich befinden und sie verloren ihre Kräfte und ihre Fähigkeiten.

Als sie ihr Werk vorstellten, fiel der Fehler erst auf. Kiv war ziemlich sauer auf sie. Doch was konnten sie machen? Sie waren diejenigen, die nicht davon beeinflusst wurden und somit hatten sie es auch nicht merken können. Die Herrscherin überlegte noch mal genauer und ihr fiel ein, dass es so eigentlich sogar noch einfacher war. Sie mussten es nicht erst versuchen, die Königin irgendwie damit in Berührung zu bringen. Sie mussten es einfach nur schaffen, den Stein in ihre Nähe zu bringen. So war es eigentlich sogar wirklich noch einfacher für sie. Das Volk von Kiv rüstete sich wieder für den weiteren Kampf. Ihre Herrin beschloss den Key, dies ist der Name des Steins, in diesem Kampf einzusetzen. Sie wollten so schnell wie möglich gewinnen.“ Während der gesamten Erzählung spielte sich alles vor den inneren Augen Beider ab. Kamaki machte eine kurze Pause. Sie holte tief Luft, trank einige Schlucke um den Hals und ihre Lippen etwas zu befeuchten und sah auch mal für einen Augenblick zu Ambas hinüber. Der Dunkelelf hielt sein Glas fest umklammert. Was er dort hörte, konnte er fast nicht glauben. Ein Volk welches noch mal untereinander geteilt war. Zwei Frauen. Eine Herrscherin und eine Königin. Gut und Böse. Ein normaler Stein, der Verzaubert wurde. Der Belegt wurde mit allem Möglichen. Ein Stein, der Vampire schwächte. Aber das Schwerste, was zu Glauben war, war die Wahrheit mehrerer alter Geschichten. Die Geschichten der Vampire. Sie gab es früher einmal. Er hörte eine Legende.
Sie kann es nicht gegeben haben. Und diesen Stein kann es auch nicht geben. Das ist unmöglich.
Kamaki atmete noch mal kurz tief Luft ein, bevor sie weiter sprach: „Sie machten sich alle auf den Weg. In ihrer Mitte hatten sie den Stein. In einer Kiste, wodurch der Zauber des Steins nicht dringen konnte. Auf einer großen Lichtung, mitten in der tiefsten Nacht, trafen sie nun wieder auf einander. Die Königin an der Spitze ihrer Leute. Die Herrscherin an ihrer Spitze. Beide sahen sich finster an. Keiner sprach ein Wort. Doch die Umgebung war geladen. Geladen von so einer immensen Intensität und Spannung, dass sich der Himmel bezog und es anfing zu donnern. Mit dem ersten Donnerschlag fing es an zu regnen. Um den Kampfplatz herum stieg ein dichter Nebelschleier auf, der sie umhüllte. Die Augen aller fingen an zu glühen. Sie warteten nur noch auf einen weiteren Donnerschlag, dann fingen sie an. Kiv hob ihr Flammar und schrie. Auf dem Schwert standen die Wörter ‚Tod‘, ‚Vernichtung‘, ‚Hass‘ und ‚Chaos‘. Ihre Armee hob ebenfalls ihre Waffen und erwiderte das Kampfgeschrei. Die Königin erhob ihr Claymore. Sie schloss kurz ihre Augen, sprach leise ein Gebet, welches sie von ihrer Mutter gelernt hatte, und hob es in die Luft. Auf dem Schwert konnte man klar und deutlich die Worte ‚Liebe‘, ‚Freundschaft‘ und ‚Frieden‘ lesen. Sie erhob ebenfalls ihre Stimme. Ihr Volk stürmte los mit tosendem Gebrüll. Während die Königin wachsam ihre Augen über ihre Männer schweifen lies, wandte sich die Herrscherin zu ihren Dunkelelfen und wies sie an, den Stein zu werfen. Dies taten sie auch sofort. Sie nahmen ihn aus der Kiste, sprachen noch mal einen kurzen Spruch, dass er heil ankommen würde und nicht sein Ziel verfehlen würde und warfen ihn. Während die Magier ihren Spruch sprachen, geschah jedoch bei der Königin etwas. Sie sah hinüber zu den Gegnern und wandte sich kurz darauf an einen Berater. Sie bat ihn einen Freund herzu holen. Einen verbündeten Elfen, der sich als einziger freiwillig in den Kampf einmischte. Er wollte Frieden haben, weshalb er beschlossen hatte der Königin zu helfen. Sie bat ihn den kommenden Stein abzuwehren und ihn zurück zu schicken. Er verneigte sich und wartete auf das Geschoss. Wie die Königin es ihm gesagt hatte, kam der Stein angeflogen. Und wie ihm gesagt wurde, wehrte er ihn ab. Er schickte ihn auch wieder zurück und im gleichen Moment, wie er ihn zurück schickte, schoss er noch einen Pfeil hinterher, den er auf Kiv schoss. Keines dieser Geschosse verfehlte sein Ziel. Die Herrscherin war entsetzt, als sie beides auf sich zufliegen sah. Sie brüllte und schrie einige in ihrer Umgebung an sie zu beschützen. Doch dies half nicht viel. Die Guhle, die sie beschützten wurden vernichtet. Von der Herrscherin war nichts zu sehen. Man glaubte somit, dass sie auch vernichtet sei. Doch einige unter ihren Untergebenen glaubten das nicht. Sie kämpften weiter und versuchten die Königin weiterhin zu vernichten. Sie verfolgten sie. Auch wenn der Kampf auf der Lichtung zu Ende war, so hörte man nicht auf die Königin zu verfolgen. Der Stein verschwand übrigens ebenfalls. Man sah ihn nie wieder.“ Kamaki sah auf den Tisch vor sich und atmete langsam ein und aus. Der Elf sah sie an. So etwas hatte er noch nie gehört. Auch von so einem Kampf hatte er noch nie gehört. Er sah nun aus dem Fenster und lies alles noch mal durch seinen Kopf gehen. Er konnte es einfach nicht glauben. Wie konnte so etwas passiert sein? Nun gut, es war schon hunderte von Jahren her. Doch das Entscheidende war, dass dieser Stein eine Waffe war. Auch wenn sie nur was gegen Vampire ausrichten konnte. Bei dem Wort Vampire sah er die Elfe wieder an. „Du sagtest, dass dieser Stein nur Vampire vernichten kann, aber wieso bist du dann auf der Suche danach?“, fragte er sie sichtlich interessiert.

Die blonde Elfe sah ihn an. Mit so einem guten Zuhörer hatte sie nun doch nicht gerechnet.

Was soll ich jetzt nur machen? Ich kann ihm unmöglich die Wahrheit erzählen. Dies war ja schon an der Grenze. Wenn er das herausfindet bekomme ich Ärger und er wird Ambas umbringen.

„Nun ja, ich wurde beauftragt nach diesem Stein zu suchen. Ich weiß nicht, was mein Auftraggeber damit anfangen will, geschweige denn, wofür er ihn braucht“, log sie schließlich. Sie sah aus dem Fenster und bemerkte, dass es wieder helllichter Tag wurde. Der Sonnenaufgang war bereits da. Sie hatte die ganze Nacht hindurch erzählt. Sie seufzte kurz auf und sah in Ambas Gesicht.

„Was ist los?“, fragte dieser und sah sie an, nachdem er ihr seufzen wahrgenommen hatte.

„Ich muss mich jetzt langsam auf den Weg machen. Ich danke dir vielmals für deine Gastfreundschaft und für das Trinken“, sagte sie und stand auf. Sie ging zur Tür und wurde von ihm noch bis dorthin begleitet. „Ach was. Ich danke dir, dass du mir etwas Gesellschaft geleistet hast. Ich bin sonst immer so alleine. Und außerdem wollte ich nicht noch in der nächsten Nacht über deinen Leichnam stolpern“, scherzte er etwas herum und verabschiedete sie dann.

Sie nickte nur und ging in den Wald hinein. Ambas stand noch so lange an seiner Tür, bis er die Lichtelfe nicht mehr sehen konnte. Dann ging er wieder ins Haus und verschloss die Tür hinter sich. Die Geschichte, die er die Nacht gehört hatte, ließ ihm keine Ruhe. Er dachte noch viele Tage darüber nach.

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