Kapitel 4: Ein unnötiger Kampf


„Dann zeig mal die Karten.“

„Komm schon Puppe, nur noch einmal.“

„Du hast sie wohl nicht mehr alle. Das ist meine Frau die du gevögelt hast.“

Ararion saß an der Bar in Liaria und versuchte alle Geräusche auszublenden. Er nahm sein Becher voll Holunderwein hoch und trank erst mal einige ausgiebige Schlucke.

„Du meine Güte. Müssen die so schreien? Bestimmt fängt hier auch gleich ne Schlägerei an, Ararion“, meinte die Elfe neben ihm.

Ihn interessierte es aber nicht. Der Elf sah in seinen Becher. Seine Schwerter lehnten an der Bartheke, immer griffbereit. Ein kleiner Junge rannte durch die Kneipe. Er spielte mit seinem Bruder Fangen. Als er gerade nicht aufpasste, stieß er gegen Ararions Schwerter. Dieser sah von seinem Becher auf, schaute den Jungen mit scharfen Augen an und sagte gar nichts. Der Junge fing an zu zittern, ohne zu verstehen warum, stolperte rückwärts zurück und lief dann unter Geschrei und Tränen zurück zu seinem Vater. Der Elf blickte den Wirt an und nickte auf seinen leeren Becher vor ihm.

Als der Wirt ihm nachschenkte, sah er seine Begleiterin direkt an.

„Was willst du? Solange sie einen großen Bogen um dich und mich machen, ist doch alles in Ordnung. Jetzt trink …!“ Doch er wurde unterbrochen, durch eine kräftige Hand auf seiner linken Schulter. Ararion folgte dem daran hängenden Arm, bis hin zum Besitzer und blickte in ein vernarbtes, finster dreinschauendes Gesicht.

„Hey Kumpel. Was bringst du das Kind zum Weinen?“, brummte der Kerl mit einer tiefen Bassstimme.

Mit einem scharfen Blick bedachte der Elf ihn und sah wieder in sein Glas. Der stämmige Kerl knurrte und packte Ararions Schulter härter an.

„Hey! Ich rede mit dir“, brüllte der Mensch ihn an.

„Schrei hier nicht so herum, Freundchen. Wir sind schließlich nicht taub. Dazu wollen wir keinen Streit. Lass ihn darum bitte los“, schaltete sich Ararions Gefährtin ein. Sie blickte dem Kerl direkt in seine Augen. Der Mann musterte sie mit einem Blick. Als er ihr Gesicht nach irgendeinem feindlichen Zeichen absuchte, blieb er schlussendlich an ihrem Lächeln hängen.

„Ich möchte auch keinen Kampf, aber er hat den armen Jungen zum Weinen gebracht. So was geht nicht in Ordnung in unserer Stadt. Wir wollen solche Leute nicht hier haben. Also. Entweder er entschuldigt sich bei dem Jungen ‚freundlich‘ oder er muss hier verschwinden“, erklärte er mit einem Blick zum Jungen, der inzwischen auf dem Schoß seines Vaters saß und sich beruhigt hatte.

Kiaki stand nun neben Ararion und sah den Menschen an und meinte: „Er wird sich entschul…“ Doch da wurde sie schon von Ararion unterbrochen.

„Ich kann mich entschuldigen. Aber ich werde es nicht“, sagte der Elf etwas gereizt und stand dann von seinem Platz auf.

Nun, da er in voller Größe vor ihm stand, ging ein leichter Schauer durch den Körper des Menschen. „Und warum wirst du dich nicht entschuldigen? Er ist doch noch ein Kind“, meinte er und sah Ararion, mit einem nicht mehr ganz so finsterem Blick, an.

Der Elf sah ihn an und schnaufte kurz auf, als Zeichen der Gleichgültigkeit.

„Ich kann es nicht haben, wenn man mein Schwert anfasst. Und dieses Kind …“, Ararion unterbrach sich und sah den Menschen einfach nur an. Als er sich umdrehen wollte, packte ihn der Mann wieder an der Schulter und hielt ihn fest.

„Du sollst dich entschuldigen, habe ich gesagt!“, sagte er in einem festen Ton und kniff seine Augen zusammen. Ararion schlug die Hand weg und sah ihn giftig an: „Ich werde mich nicht entschuldigen. Verstanden?!“

Der Mann wurde wütend und ballte die Fäuste. Kiaki bekam angst und stellte sich schnell zwischen die beiden Männer.

„Hört auf. Beide“, sagte sie leicht ängstlich und sah vom einen zum anderen. „Ararion, bitte.“

Sie sahen sich immer noch an. „Lass es Kiaki. Es hat keinen Sinn. Ich werde mich nicht entschuldigen bei diesen Wesen und er wird nicht nachgeben in dieser Hinsicht“, sagte Ararion. Dies reichte dem Menschen und er schubste die Elfe beiseite und stürmte auf den Elfen zu. Ararion wurde am Kragen gepackt. „Was ist? Willst du mich nun schlagen?“, fragte er und sah den Mann mit einem kalten Blick an. Er schlug die Hände weg und griff nach seinen Schwertern. „Dann komm. Gehen wir hinaus.“
Kiaki hatte furchtbare Angst. Sie wusste ganz genau wie Ararion sein konnte. Und dann dieser Mensch. Sie hatte ein ungutes Gefühl. Dieser Mensch strahlte etwas aus. Doch, dass konnte man sehen, hatte er große Angst vor dem Elfen. Als Ararion dann seine Schwerter nahm und zur Tür ging, schlich sich eine schreckliche Vorahnung heran. Als sie dann auch noch seine Worte hörte, fing ihr Körper ganz an zu zittern. Sie stürmte zum Elfen und hielt seinen Arm fest umschlossen.

„Ararion. Bitte lass es“, flehte sie ihn an und sah tief in seine Augen. „Es hat doch keinen Sinn, wenn du jetzt einen Kampf anfängst, außerdem ist dies ein fremder Ort, wo wir uns später irgendwann verstecken könnten, falls wir es müssten.“

„Kiaki, es bringt nichts. Ich bin fest davon entschlossen, es diesem Menschen zu zeigen, dass es besser gewesen wäre, hätte man mich nicht gestört“, sagte er zu ihr, während er in ihre Augen sah.

Er verließ die Kneipe und wartete draußen vor der Tür auf den vernarbten Menschen. Dieser folgte ihm schweigend und zog währenddessen auch ein Schwert.

„Ich werde dir zeigen, dass eine Entschuldigung besser gewesen wäre“, knurrte der Mann und stellte sich in seine Angriffsstellung. Auch der Elf stellte sich kampfbereit hin.

Kiaki stand an der Seite, unterm Dach der Kneipe und sah vom Einen zum Anderen. „Ararion“, flüsterte sie. Als der Mann dann auf ihn zu stürmte, unterdrückte die Elfe gerade noch so einen Schrei.

Sie beobachtete den Kampf mit Angst. Sie hatte sowohl um Ararion Angst, auch wenn es unnötig war, so wie sie es wusste, und zum anderen um den Menschen, da der sich auf ein Unterfangen eingelassen hatte, welches er nicht überleben würde, geschweige denn könnte. Sie betete, dass beide es lebend überstehen würden.

Die Elfe war nahe einem Nervenzusammenbruch. Der Kampf dauerte nun schon eine Stunde, was ungewöhnlich war. Doch sie sah, dass Ararion sich im Moment noch zurück hielt.

Ararion. Bitte töte den Mann nicht. Er wollte doch nur, dass das Kind aufhört zu weinen und ihm zeigen, dass man sich nach so was entschuldigen sollte, dachte sie und behielt bei diesem Gedanken Ararion im Blick.

Nach einigen Minuten sah sie, dass der Elf langsam anfing sich zu langweilen. Doch aus einer kleinen Unachtsamkeit heraus, schaffte es der Mensch, den Elfen zu verletzen. Das Schwert des Mannes traf den Arm des Elfen. Doch der Schnitt war nicht zu tief und auch nicht zu gefährlich für ihn. Kiaki schlug sich die Hände vorm Mund und unterdrückte so einen erneuten Schrei.
Ararion passte nur einen Augenblick nicht auf und das reichte dem Menschen schon aus. Der Elfe spürte, wie die Klinge langsam in seinen Arm eindrang und ging zu Boden. Er ließ eines seiner Schwerter zu Boden fallen und fasste sich an die Schulter. Langsam fing es an aus seiner Brust heraus zu knurren und er sah finster zum Menschen auf. „Das bereust du mir“, fauchte er, nahm sein Schwert, stand auf und ging auf den Mann zu. Der Mann wurde immer weiter nach hinten gedrängt und parierte so gut es ging alle Schläge von Ararion ab. Jedoch geriet er nach einiger Zeit ins Stolpern und fiel nach hinten. Der Elf stand nun über ihm und hielt die Klinge des Schwertes an die Kehle des Mannes.

„Sprich dein letztes Gebet“, kam es ihm über die Lippen. Ararion wollte gerade zu stechen, als sich ein Paar Arme um seinen Arm schlangen. Er folgte den Armen und blickte in Kiakis Gesicht. Sein Blick verfinsterte sich ein wenig.

„Lass mich los“, sagte er bestimmt und sah sie durchdringend an.

Kiakis schüttelte den Kopf und sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Lass ihn. Bitte Ararion. Lass ihn am Leben. Er hat es verstanden, dass man dich in Ruhe lassen sollte. Sieh ihn dir an. Er hat Angst vor dir. Er spürt die Klinge an seinem Hals und ich glaube auch, dass es ihm reicht“, sie sah ihn weiterhin tief in die Augen und wendete dann den Blick vom Elfen ab und sah zum Mann. „Sie haben es doch verstanden oder?“

Der Mann nickte so gut es ging. „J-j-j-ja… ja, ja, habe ich“, stotterte er und sah sie mit furchtbarer Angst an. Der Elf hielt dem vernarbten Mann noch immer die Klinge an den Hals. Er blickte in die dunklen Augen des Menschen. Als einige Sekunden verstrichen waren, ließ er das Schwert sinken. Er löste sich aus der Umklammerung von Kiaki und drehte sich um.

„Na gut. Aber nur dieses eine Mal. Du hast Glück, dass sie für dich eingesprungen ist. Ich hätte sonst nicht angehalten, sondern hätte dich getötet.“

Er nahm seine Schwerter und schob sie zurück in deren Scheiden. Als diese verstaut waren, legte er seine Hand vom gesunden Arm auf die verletzte Schulter und biss sich auf die Zähne.

Verdammt, dachte er sich und blieb an der Stelle stehen, wo er gerade stand.

Kiaki sah kurz zum Mann und half ihm auf. „Gehen sie jetzt besser und passen sie nächstes Mal besser auf sich auf“, sagte sie zu ihm und lächelte. Dann wandte sie sich von ihm ab und ging auf Ararion zu. Als sie bei ihm war, stellte sie sich vor ihn hin, nahm seine Hand von der Wunde und sah sich diese an.

„Oh je. Die ist ganz schön tief. Was musstest du auch kämpfen“, tadelte sie ihn und riss sich etwas von ihrem Kleid ab. Sie nahm den Elfen an der Hand und zog ihn zum Stadtbrunnen. Dort tränkte sie das Stoffstück im Wasser und säuberte dann die Wunde des Elfen. Als dieser ganz leicht, kaum merklich, zusammen zuckte, nahm sie kurz die Hand weg und machte sich dennoch dann kurz darauf wieder daran, die Verletzung zu säubern. Als sie damit fertig war, riss sie noch etwas von ihrem Kleid ab und verband die Wunde. „Und wehe dir, du heilst sie. Du musst auch einmal deinen Körper von alleine sich regenerieren lassen. Und nun beantworte mir bitte eine Frage. Warum, um Gotteswillen, hast du diesen unnötigen Kampf gekämpft“, fragte die Elfe in einem doch recht scharfen Ton. Sie sah Ararion genau an.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, sagte dieser darauf nur und erwiderte ihren Blick.

„Na schön. Aber du hast jetzt selber schuld. Diese Verletzung ist eine sehr gute Strafe, mein Lieber.“

Sie sah ihn noch einige Minuten an. Dann seufzte sie allerdings auf und setzte sich neben ihn auf die Bank, wo sie ihn zuvor drauf gedrückt hatte. „Geh bitte nie wieder auf so einen unnötigen Kampf ein. Was wäre jetzt, wenn ein richtiger Gegner auftauchen würde? Du könntest nicht vernünftig gegen ihn kämpfen“, sagte sie und sah ihn an. Doch Ararion sagte nichts. Ihm war es egal, ob es nun unnötig war oder nicht. Er konnte es eben nicht ausstehen, wenn man ihn provozierte.

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